Vortragsreihe

"Vergänglichkeit und Tod - Herausforderung des Lebens" 



Tod und Vergänglichkeit begleiten unser ganzes Leben. Zugleich haben wir „eine unverkennbare Tendenz, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem Leben zu eliminieren“. (Freud 1915) 

Das Erleben von Tod und Vergänglichkeit ist eine treibende und gestaltende Kraft in der Entwicklung des Menschen, auch wenn sich dies allzu oft dem Bewussten und Alltagserleben entzieht. Schon das Kind beschäftigt sich intensiv damit; in der Adoleszenz kann es prägend sein, um im jungen und mittleren Erwachsenenalter meist in den Hintergrund zu treten, auch wenn es in Gestalt von Abschieden, Verlusten und Veränderungen immer präsent bleibt. Im Alter wird das zunehmende Bewusstsein von Begrenztheit und Endlichkeit unumgänglich. Oder es bedarf der unvermittelten massiven Konfrontation in Gestalt von Krankheit, Verlust, Krieg oder Pandemien, um Tod und Vergänglichkeit ins Bewusstsein zu rufen. 

Die Lebensformen der Moderne haben den Tod im öffentlichen Leben gleichsam eliminiert. Beschleunigung und Rastlosigkeit erscheinen wie ein Aufstand des Lebens gegen die Begrenzung durch den Tod. Galt noch vor einem Jahrhundert die Sexualität in der Öffentlichkeit als tabuisiert und der Tod als allgegenwärtig, so erscheint es heute in unserer westlichen Gesellschaft wie umgekehrt. 

Es stellt sich die Frage, welches die seelischen und gesellschaftlichen Kräfte sind, die uns innerlich treiben, die Auseinandersetzung um Tod und Vergänglichkeit in diesem Ausmaße zu meiden. Das Unvorstellbare macht Angst und fordert uns heraus, damit die Angst vor dem Tod nicht zur Angst vor dem Leben werde. 

Welches sind die individuellen wie auch die kollektiven psychischen und gesellschaftlichen Modi, diese Herausforderung zu bewältigen? 

Im Vortragszyklus versuchen wir, der Auseinandersetzung um diese Fragen aus psychoanalytischer wie interdisziplinärer Sicht nachzugehen. 


Die Referenten:


Dr. phil. Jürgen Grieser
Fachpsychologe für Psychotherapie (FSP) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Psychoanalytiker, Familientherapeut, Dozent und Supervisor. Studium der Psychologie, Psychopathologie und Ethnologie an der Universität Zürich. Psychoanalytische Ausbildung am Psychoanalytischen Seminar Zürich. Ausbildung in psychoanalytisch-systemischer Familientherapie, Ausbildung in Psychodynamischer Teamsupervision, Coaching und Organisationsentwicklung; lange tätig in kinder- und jugendpsychiatrischen und pädiatrischen Institutionen; heute niedergelassen in einer psychiatrisch-psychoanalytischen Praxisgemeinschaft in Zürich. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt insbes. Der Tod und das Leben – Vergänglichkeit als Chance zur Entwicklung von Lebendigkeit (2018).

Dipl. Psych. Christiane Schrader
Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPV, IPV, DGPT), Lehrtherapeutin, Supervisorin, Dozentin, tätig in eigener Praxis in Frankfurt am Main; mehrjährige Tätigkeit in einer Psychosomatischen Klinik und fachliche Leitung der Fortbildung „Psychoanalytische Beratung in Sexual- und Partnerschaftskonflikten“ des Pro Familia Bundesverbandes seit 2006, zusammen Herrn Prof. Dr. Meinolf Peters. Mitinhaberin des Instituts für Alterspsychotherapie und Angewandte Gerontologie, gegründet von Prof. H. Radebold. Seit 2018 Chair des Forum on Aging der EPF. Publikationen zur weiblichen Entwicklung, zur weiblichen Entwicklung im Alter; zum Körper im Alter; zum psychischen Trauma und zur transgenerationellen Traumatransmission.

Prof. Dr. Martin Teising
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Psychoanalytiker (DPV/IPA/DGPT); nach Studium der Medizin und Soziologie in Frankfurt am Main und psychoanalytischer Weiterbildung am Alexander-Mitscherlich-Institut in Kassel; Promotion zum Dr. phil. an der Universität Kassel; Vertretungsprofessur an der Fachhochschule Köln; Leitender Oberarzt in der Abteilung für Psychoanalyse an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen; von 1994 bis 2012 Professur an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin 2012-2018, Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung 2010-2012. Zahlreiche Publikationen, u. a. Selbstbestimmung zwischen Wunsch und Illusion (2016).

Lic. phil. Kerstin Westhoff

Fachpsychologin für Psychotherapie (FSP), Lizentiat in klinischer Psychologie an der Universität Basel. Psychoanalytische Ausbildung am Psychoanalytischen Seminar Basel. Langjährige Arbeit an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Universitätspoliklinik Basel, seit 2005 Onkopsychologin am Universitätskinderspital beider Basel; daneben tätig in eigener Praxis. Ausgewählte Publikationen zum Thema sind: Buchpublikation zum Thema Bilderwelt krebskranker Kinder (2001), Buchartikel: Psyche und Soma in der Kinderonkologie (2006), Co-Autorin mit F. Resch Publikation zur Palliativen Psychoonkologie bei Kindern im Handbuch Sterben und Menschenwürde (2014), Co-Autorin u.a. mit D. Bürgin zu Psychoanalytischen Grundannahmen (2020). 

Dr. med. Christian Kläui
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalytiker, Supervisor; tätig in eigener Praxis in Basel; langjähriger Mitherausgeber der Zeitschrift für Psychoanalyse - RISS -, deren Referenzpunkte Freud und Lacan sind; Publikationen zu verschiedenen Fragen der psychoanalytischen Praxis (siehe psyalpha.net), als Buchveröffentlichung v. a. Psychoanalytisches Arbeiten. Für eine Theorie der Praxis (2008/ 3. Aufl. 2015); zuletzt Tod – Hass – Sprache. Psychoanalytisch (2017), das sich aus psychoanalytischer Sicht mit dem Verhältnis des Menschen zum Tod und mit Phänomenen des Hasses und der Destruktivität auseinandersetzt.

Dr. phil. Ina Schmidt
Studium der Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg; wissenschaftliche Mitarbeit, Forschung und Promotion zur Frage des Einflusses der Lebensphilosophie auf das frühe Denken Martin Heideggers; Gründung des Forums „denkraeume“ 2005, dessen Grundidee es ist, die Philosophie als eine Form der Lebenspraxis zu vermitteln und akademische Wissenschaft mit lebendigen Fragen der Gegenwart zusammen zu denken; Mitglied der Internationalen Gesellschaft für philosophische Praxis (IGPP) und des Expertennetzwerks der Liechtenstein Academy; Referentin des Netzwerks „Ethik heute“ sowie der “brainery” in Hamburg. Autorin philosophischer Sachbücher, u. a. eines Kinderbuchs Kleine und große Fragen an die Welt (2017), zuletzt Über die Vergänglichkeit – Eine Philosophie des Abschieds (2019).  


 

 

Freitag, den 8. Oktober 2021, 20:00 Uhr

Dr. phil. Jürgen Grieser


Der Tod und das Leben - Vergänglichkeit als Chance zur Entwicklung von Lebendigkeit

Geänderter Veranstaltungsort: Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13, Bremen

  

Freitag, den 19. November 2021, 20:00 Uhr

Dipl.-Psych. Christiane Schrader 


Lebenssatt sterben? - Zur Erfahrung von Vergänglichkeit im Alter

Freitag, den 21. Januar 2022, 20:00 Uhr

Prof. Dr. Martin Teising


Wie können wir mit dem Wissen leben, dass wir sterben werden?

Freitag, den 18. Februar 2022, 20:00 Uhr

Lic. Phil.Kerstin Westhoff


Kind und Tod in unserer Gesellschaft - Die Begleitung von schwer kranken und sterbenden Kindern

Freitag, den 18. März 2022, 20:00 Uhr

Dr. med. Christian Kläui

 

Tod und Unsterblichkeit - Über Vergänglichkeit und das Unbewusste


Freitag, den 22. April 2022, 20:00 Uhr

Dr. phil. Ina Schmidt

 

Leben mit dem Tod - hat die Pandemie unser Verhältnis zum Sterben verändert?